07.06.2010 09:45 von Hans-Joachim Hirling
Zum zweiten mal innerhalb kurzer Zeit wurde unser Ortsbeauftragter Andreas Grauli zu einem humanitären Einsatz nach Haiti gerufen. Während er beim ersten Einsatz als Campmanager hauptsächlich damit betraut war ein Basiscamp für THW-Helfer, angeschlossene Deutsche- und Internationale Hilfsorganisationen zu errichten, gilt es nun die nur zum Teil vorhandene Infrastruktur der Flüchtlingslager in Port-au-Prince (PaP) und Umgebung vor den meist sehr heftigen Regenfällen zu schützen. Zu diesem Zweck werden Dränagegräben errichtet, Stege gebaut und bei der Müllentsorgung unterstützt. Weiterhin wird auch Trinkwasserversorgung durch THW SEEWA-Einheiten aufrecht erhalten, sowie an der Wiederherstellung der örtlichen Infrastruktur gearbeitet.
Hier der Originalbericht von Andreas Grauli
Haiti 16.05. - 15.06.2010
ECHO (European Commission Humanitarian Aid & Civil Protection)-Project in Port-au-Prince
Das Projekt umfasst Infrastrukturmaßnahmen in den IDP-Camps (Interna Displaced Persons) vom 01.05.2010 bis 31.10.2010, Sicherstellung der Trinkwasseraufbereitung bis Juli sowie technische Ausbildung des Haitianischen Zivilschutzes (DPC Departement Protection Civil) im Campbau und Campmanagement.
Zu diesem Zweck wurde in Petionville (Stadtteil PaP) ein Gebäude angemietet mit Schlafgelegenheit für 8 Personen und großräumigem Büro. Die Stromversorgung läuft über das Stadtstromnetz das allerdings nicht immer in Betrieb ist. Bei Ausfall steht eine Notstromversorgung mit einigen Batterien zur Verfügung, wenn mehr als nur Licht und Computer gebraucht wird springt auch hier das GEKO-Aggregat ein mit einem Wandler auf 110V.
Für die Wasseraufbereitung bleibt das am 15.01. als SEEWA (Schnell Einsatz Einheit Wasser Ausland)-Camp gestartete Areal in Betrieb.
Der Betrieb der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA), die Ausgabe am Wasserkiosk direkt vor Ort sowie das Tankering (füllen und verteilen des Wassers mit Wassertankwagen) wird mit 4 THW-Helfern und lokalen Kräften durchgeführt. TWA-Mechaniker, Elektriker, Laborant, Teamleader.
Lokale Kräfte: Vorarbeiter, Laborant, TWA-Mechaniker, Überwachung Tankering, Ausgabe des Wassers am Kiosk, Reinigungskraft, Fahrer.
Das Campprojekt ist in Zusammenarbeit mit dem DPC ausgearbeitet worden. Es sieht vor, dass sogenannte „Mobile Units“ aufgestellt werden. Die Units bestehen aus je 1 Teamleader, 1 Logistiker, 1 Bauberater (Ingenieur, Architekt), 1 Mechaniker/Fahrer. Jedes Team soll 1 PickUp bekommen der extra beschafft wird dafür.
Die Fahrzeuge sind noch im Zulauf und derzeit noch nicht verfügbar.
Die momentanen Aufgaben werden mit 2 Units und gemieteten PickUps bewältigt um das geplante schon mal umzusetzen und zu überprüfen.
Die praktischen Arbeiten selbst werden von den Bewohnern des Camps durchgeführt. Das läuft nach dem Cash-for-Work-Prinzinp: d.h. jeder Arbeiter bekommt 5 US$ am Tag. Die Verantwortung der Auswahl der Arbeiter trägt der Präsident des Campkomitees, das sich in jedem Camp selbständig bildet.
Ein Hauptproblem ist die Regenmenge in kurzer Zeit. Es regnet innerhalb 2 Stunden 1 Badewanne Wasser pro m² und das muss irgendwie weiter-/ um- oder abgeleitet werden. Da die Camps teilweise etliche tausend Personen beherbergen haben sie eine entsprechende Fläche in der das Wasser zusammenlaufen kann. Die teilweise selbstgegrabenen Dränagegräben sowie diese, die sich das Wasser selbst gegraben hat, werden aufgrund der enormen Müllproblematik immer wieder angefüllt und verhindern so den zügigen Abfluss. Auch bleibt an vielen Stellen das Wasser einfach stehen über mehrere Tage was zu einer idealen Brutstätte für Moskitos etc. wird.
Dazu kommt dass das öffentliche Kanalnetz nur teilweise existiert bzw. funktioniert. Da PaP am Berg liegt schießt bei so einem Starkregen das Wasser von den oben gelegenen Stadtteilen teilweise 30cm hoch auch der Straße nach unten und genau dort sind oftmals Camps die dann mit diesen Wassermassen klarkommen müssen.
Da es zwar eine Art öffentliche Müllabfuhr gibt aber die Entsorgung sehr mangelhaft ist, liegt überall Müll am Straßenrand und der wird dann vom Regen mitgenommen.
Die Schuttberge der zusammengebrochenen Häuser sowie der Straßenschotter der unbefestigten Straßen wird teilweise bis zu Backsteingröße ins Tal gespült. Das führt dann zu Ablagerungen und zu neuen Überflutungen der Camps.
Bereits durchgeführte Projekte bzw. in Arbeit:
Camp 1: Dränage reinigen und vertiefen, Brückenbau für offene Kanalrinnen
Camp 2: Becken von Müll reinigen und anschließender Geländerbau, Bau von Duschen (Sichtschutz und Abwasserableitung)
Camp 3: Dränagegräben tiefer und breiter machen und die Gefahrstellen mit Sandsäcken sichern
Camp 4: Dränagegräben verbreitern und den Zusammenfluss der Gräben betonieren und mauern um die Ableitung zu optimieren und sicherzustellen
Camp 5: Toilettenbau
Camp 6: Regenwasserproblem durch anfüllen mit filterstabilem Auffüllmaterial und optimierter Einleitung in den Abwassergraben verbessern
Camp 7: Dränagegräben zusammenfassen und ableiten
Camp 8: Müllberg beseitigen um Durchfahrt für Fahrzeuge wiederherzustellen, offenen Kanal reinigen um Wasser abzuleiten
... viele weitere werden folgen....
Andreas Grauli
Campmanager
Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Ortsverband Sinsheim